von Tine in Sonstiges am 10. Dezember 2016

Der Dezember ist für mich traditionell die Zeit, in der ich versuche viele Dinge, die das Jahr über liegen geblieben oder zu kurz gekommen sind, zu beenden. Dabei geht es nicht darum sie auf Biegen und Brechen alle noch vor dem Jahresende unter zu bringen, sondern vor allen Dingen auch darum zu entscheiden, was wichtig ist.
  • Welche Dinge sind liegen geblieben, weil ich mir zu viel vorgenommen habe?
  • Welche Dinge sind zu kurz gekommen, weil meine Prioritäten woanders lagen?
  • Welche Dinge habe ich vermieden, da sie mich zu viel Kraft und Energie kosten?
  • Was kann ich ändern und für das nächste Jahr mitnehmen?
Im Sommer habe ich bereits darüber geschrieben, was das Leben mit einer chronischen Krankheit für mich bedeutet. Den Post findet ihr hier: Das Leben mit der Krankheit .

Das Fazit für mich war damals "Lebe jeden Tag so, dass du mit einem guten Gefühl auf ihn zurückblicken kannst, akzeptiere deine Schwächen und mach halt einfach das, was gerade geht. Kaum etwas MUSS."

Im letzten halben Jahr habe ich noch mehr über mich gelernt. Als Kompensation dafür, dass ich so wenig im Alltag leisten kann, habe ich es mir zum großen Ziel gemacht, diese Zeit so effektiv wie möglich zu nutzen. Ich habe Kurse und Weiterbildungen gebucht und zusätzlich zu meinem Studium und den Seminaren versucht, in jeder freien Minute Wissen aufzusaugen. Ich wollte jede Möglichkeit mitnehmen, diesen und jenen Referenten "noch einmal im Leben" kennengelernt und von ihm gelernt zu haben...

Wie man schon erahnen kann, ist das natürlich ein unglaublicher Druck und Stress, den ich mir gesundheitlich ja eigentlich gar nicht leisten kann. Es ist so schwierig, sich krank und nutzlos zu fühlen.

Natürlich konnte ich diesem Leistungsdruck, den ich mir selbst immer wieder gemacht habe, nicht standhalten. Ich habe viele Kurse nur zur Hälfte gemacht oder Dinge auf die ToDo-Liste geschoben, die nun, im Dezember, vor mir liegt und mich vorwurfsvoll anstarrt.

Warum mache ich das eigentlich?

Während ich nun hier sitze, Emails schreibe, Termine sortiere und absage, denke ich darüber nach, warum ich das alles mache. Klar, Lernen und Training interessiert mich. Es ist toll, Wissen zu vermitteln und anderen helfen zu können. Es fühlt sich gut an, Dinge zu verstehen. Die Leute um mich herum stellen fantastische Projekte auf die Beine und ich möchte ein Teil davon sein. Aber das ist nicht der wahre Grund.

Ich habe begonnen mich mit all diesen Themen zu beschäftigen, als ich die kleine, wilde, zottelige Krümeline kennengelernt habe, mit all ihrem Ballast und den Herausforderungen, die sie mit sich gebracht hat.


Mehr über unsere Vergangenheit findet ihr hier: Die Geschichte der Krümeline .

Ich bin zu den Hühnermodulen gefahren, um ein besserer Trainer für die Krümeline zu werden und um ihr das Leben in der Menschenwelt ein Stück weit einfacher zu machen. Ich weiß bis heute wie fremd ich mich damals unter den ganzen hauptberuflichen Trainern gefühlt habe, weil ich nur wegen einem einzigen Pferd das viele Geld und die Zeit investiere.

Ich habe die Kurse von Susan Friedman gemacht, um mehr über Ethik und Verantwortung im Training zu lernen und mehr darüber zu verstehen, warum gute Technik allein im Bereich der Verhaltenstherapie eben nicht ausreicht.

Ich habe das Psychologiestudium begonnen, um mehr über das komplexe Zusammenspiel von Kognition, Emotion und Motivation zu lernen, weil ich realisiert habe, dass sowohl meine eigene Wahrnehmung der Welt, als auch die der Krümeline, einen großen Anteil an unseren Trainingserfolgen und Misserfolgen haben.



Ich bin TOP-Trainerin geworden, engagiere mich im Clickerforum (www.clickerforum.info), schreibe Artikel, rezensiere Bücher und habe einen eigenen Onlinekurs veröffentlicht (onlinekurs.clickertiere.de), um so vielen Anderen etwas von dem zurück zu geben, was ich über die Jahre an Hilfe bekommen oder mir gewünscht hätte.

Und das alles während es der Krümeline und auch mir selbst gesundheitlich eher schlechter als besser geht.

Wer dabei zu kurz kommt

Das Pferd, was mir von allen am meisten bedeutet und für die ich all die Energie in die Ausbildung gesteckt habe, hat am wenigsten davon. Ich selbst habe wenig davon. Meine beiden anderen Tiere und meine Familie, die so viel abfangen, haben wenig davon.

Im letzten Jahr ist genau das passiert, was ich eigentlich verhindern wollte. Ich habe jede freie Minute dafür genutzt, Dinge zu erledigen, die getan werden müssen oder mich selbst damit unter Druck zu setzen, dass ich sie nicht schaffe. Natürlich gibt es Dinge im Leben, die einfach getan werden müssen, aber zumindest für den Rest der Zeit bin ich am Ende ganz alleine verantwortlich.

Wenn ich in den Stall fahre und etwas trainieren möchte, vertage ich es oft, weil ich ein schlechtes Gewissen dabei habe, es nicht zu filmen und zu dokumentieren. Zu oft stelle ich dabei meine eigenen Bedürfnisse bzw. das Gefühl, das eben tun zu müsen, über die Bedürfnisse meiner Tiere. Das wollte ich so nie und es wird Zeit für mich, einige Dinge zu ändern.

Neue Ziele

Für das nächste Jahr werde ich also versuchen, meine Schwerpunkte anders zu legen. Die Zeit mit meinen Tieren gehört ihnen, sie ist nicht(!) meine Fortbildungszeit. Wenn ich etwas konkretes filmen möchte, dann werde ich es tun. Wenn ich etwas trainieren möchte, dann ist die Dokumentation egal.

Ich bin nicht über meine Tiere zum Training mit positiver Verstärkung gekommen, sondern ich mache es für sie. Und am Allerwichtigsten: wir machen das zusammen.

In diesem Sinne wünsche ich euch schöne Feiertage mit allen Menschen und Tieren, die euch wichtig sind.

Eure Tine

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Mensch und Pferdekopf

"Beim Training mit positiver Verstärkung signalisiert man dem Tier mit Markersignal (Click) und Belohnung (z.B. Futter, Kraulen), dass das gezeigte Verhalten richtig ist."
(c) 2016 Christine Dosdall