von Tine in Clickertraining am 18. Oktober 2017

In diesem Herbst war für mich ein ganz zentrales Thema das Balance-Training mit Hilfe von Matten.

Angefangen hat es beim diesjährigen Kurs mit Alexandra Kurland mit der Übung "Multiple Mats". Dabei geht man mit dem Pferd von Matte zu Matte und bereitet das Abwenden und Losgehen über Art und Position des Fütterns vor.

Dadurch, dass das Pferd lernt, sich mit der Hilfe des Futters eigenständig auszubalancieren, findet es im Lauf der Einheiten zu einer immer besseren Balance. Dabei ist es unwichtig, auf welcher Basis man aufbaut, alle Pferde können von solch einer strukturierten Übung profitieren.

Im folgenden Artikel möchte ich euch das an den Beispielen von meinem Kurspferd Djaszlo und meiner eigenen Stute Chance vorstellen.

➤ Blogbeitrag zum Thema Multiple Mats von Alexandra Kurland (englisch)
https://theclickercenterblog.com/2016/05/06/joyfull-horses-using-environmental-cues-2/

Djaszlo

Bereits im letzten Jahr durfte ich mit Djaszlo arbeiten. Mehr darüber könnt ihr im Kursbericht 2016 nachlesen.

Mein Wunsch für dieses Jahr war es, weiter an der feinen Kommunikation am Führstrick bzw. Zügel zu arbeiten, da ich besonders mit Chance dort oft Probleme habe. Viele meiner - gefühlt schon sehr feinen - Strickanfragen sind für sie immer noch zu viel.

Wie es im Clickertraining üblich ist, haben wir nicht mit dem Ziel begonnen (der Arbeit am Strick), sondern zunächst einen Übungsaufbau gewählt, bei dem das Pferd lernt, das Bewegungsmuster zu zeigen, bevor der Strick als Signal hinzugefügt wird. Zunächst einmal sollte Djaszlo also lernen, ruhig und balanciert auf einer Matte anzuhalten und stehenzubleiben. In seinem Alter ist das natürlich gar nicht mehr so leicht, umso wundervoller war es zu beobachten, wie sich seine Körperhaltung bereits bei dieser simplen Übung im Lauf der Wiederholungen deutlich verbessert hat.

Foto: Isabell Uthmann

Zu Beginn des Kurses ist Djaszlo nicht in der Lage, geschlossen zu stehen.


Nachdem Djaszlo verstanden hatte, wie er gezielt mit mindestens einem Vorderhuf auf der Matte landen kann - im letzten Jahr und zu Beginn des Kurses hat er sie dabei bei einem Großteil der Versuche noch mit einem kräftigen Schwung unter seinen Bauch befördert - konnten wir den nächsten Schritt hinzufügen. Dabei gab es den Click für ruhiges Stehen auf der Matte - Grown Ups are talking - und das Futter wurde so präsentiert, dass er sich beim Fressen leicht gestellt hat. Diese Stellung war im Normalfall von mir weg, davon habe ich später Fotos mit meiner Stute.



Fotos: Isabell Uthmann

Durch den Wechsel von ruhigem Stehen im Grown Ups und dem Füttern in Stellung werden nach und nach die Muskeln vorsichtig gedehnt, sodass sich im Lauf der Zeit eine bessere Balance entwickeln kann.


Durch den häufigen Wechsel von Laufen - von Matte zu Matte - und Stehen, bekamen Djaszlo und ich unzählige Gelegenheiten an kleinen Details der Balance zu arbeiten. Immer öfter konnte er beim Anhalten geschlossen stehen, natürlich seinem Alter und Trainingsstand angemessen. Oft konnte er diese Haltung nicht lange halten, dennoch war sie immer zuverlässiger abrufbar. Eine große Leistung und körperlich sehr anspruchsvoll.

Foto: Isabell Uthmann

Am Ende des Kurses bietet Djaszlo immer öfter geschlossenes Stehen an, auch wenn er, wie hier auf dem Foto, die ungewohnte Haltung zum Beispiel durch den erhobenen Kopf ausgleichen muss.


Auch unsere gemeinsame Kommunikation und Wahrnehmung wurde immer feiner, sodass ich nach einer Einheit, in der ich mich selbst vollkommen unbalanciert und schwankend fühlte, beginnen konnte, nur durch die durch meine Atmung veränderte Körperspannung einzelne Beine anzusprechen. Ein sehr besonderes und intensives Gefühl.



Auf dieser Basis war es dann zum Ende des Kurses auch nicht mehr kompliziert, die ursprünglich gewünschten Strickanfragen wieder mit einzubauen und als Hausaufgabe mitzunehmen.

Chance

Wieder zuhause angekommen, wiederholte ich den Trainingsaufbau mit meiner Stute Chance. Um den IST-Zustand festzuhalten habe ich dabei direkt die erste Einheit von einer Freundin filmen lassen. Dabei erging es mir so, wie es den meisten von euch sicherlich auch gut bekannt ist - mit dem eigenen Pferd ist es am schwersten. Kleine Details, an denen ich beim Kurs bereits erfolgreich arbeiten konnte, wie das Stehen mit Hohlkreuz und durchgedrückten Knien, kamen sofort wieder zum Vorschein und es fiel mir ebenfalls schwer, beim schnelleren Tempo von Chance nicht selbst direkt wieder hektisch zu werden.



Kurz darauf fand bei uns wieder ein Trainingstag mit Lisa Kittler statt. Kurzerhand arbeiteten wir an der Übung weiter, da Chance mit ihrem geschwollenen Hinterbein eh noch nicht so viel laufen sollte. Lisa konnte mir mit ihrem geschulten Blick wertvolle Hinweise zur Futterposition geben, sodass Chance mit etwas offenerem Genick deutlich leichter auf meine Stellungsanfragen am Strick reagieren konnte. Und auch hier gab mir Lisa Tipps, wann ich Chance über das Füttern gut genug vorbereitet hatte, dass sie überhaupt in Stellung antreten kann. In der ersten Einheit konnten wir so bereits 1-2 Schritte in Stellung laufen, was Chance schon immer sehr schwer gefallen ist.



Durch die Futterposition kann ich es Chance einfach machen, in der gewünschten Stellung loszulaufen.


In der zweiten Einheit am Abend war es für Chance auf Grund der Insekten kaum noch möglich, konzentriert mitzuarbeiten. Bereits beim Decke anziehen ging sie mehrfach in die Luft, sodass es ganz besonders erstaunlich war, wie gut sie sich noch einmal auf diese - für sie körperlich wirklich sehr anspruchsvolle - Übung einlassen konnte.


Diese Erfahrung zeigt wieder eindrücklich, dass verschiedene Trainingsansätze nicht gegeneinander arbeiten müssen, wenn ein gemeinsames Verständnis von Balance und der grundlegenden Einstellung zum Pferd vorhanden ist. Beim Trainingstag mit Lisa haben wir die Matten in abgewandelter Form genutzt, indem sie auf einem Kreis lagen und nicht, wie in der Übung Multiple Mats, kreuz und quer verteilt. Auch habe ich Chance in diesem Fall für mehrere Tritte am Strick begleitet, anstatt den Strick bei der ersten richtigen Reaktion sinken zu lassen. All das sind Details die im ersten Moment vielleicht widersprüclich klingen, sich im Lauf der Einheiten aber recht bald so weit aneinander annähern, dass es am Ende keinen Unterschied mehr macht.

Fazit: Über den Ansatz, Stellungsanfragen auf der Matte über Futter vorzubereiten und erst dann die Stricksignale dazu zu nehmen, wenn das gewünschte Verhalten wirklich einfach und logisch ist, können wir uns auf Umwegen wieder einem Thema widmen, was über die Jahre mehr oder weniger erfolgreich vergiftet wurde. Das freut mich sehr, denn besonders für ihre diversen Huf- und Gelenkprobleme ist eine gute Balance für meine Stute sehr wichtig. Und diese Übung braucht nicht viel Platz, sodass selbst dann, wenn wir mal wieder durch die äußeren Umstände in der Wahl unseres Trainingsbereiches sehr eingeschränkt sind, gutes Training möglich ist.

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Über mich

Mensch und Pferdekopf Hallo, ich bin Tine, 32 Jahre alt, und lebe mit meiner Familie und meinen Tieren in Berlin. Wenn ich nicht gerade hinter dicken Büchern verschwunden bin, findet ihr mich im Stall bei meiner Stute Chance oder zusammen mit meiner Katze Mucki auf der Couch.

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